Chronik der Theater-Gruppe Simmern/Ww. e.V.


           Die Tradition des Theaterspielens in Simmern


Theaterspielen in der Westerwaldgemeinde Simmern hat schon eine sehr lange Tradition.

Der im Januar 1910 gegründete Turnverein, welcher bis etwa 1959 existierte, hatte sich zur Aufgabe gestellt, pro Jahr ein Theaterstück zur Aufführung zu bringen, und zwar zumeist in der Weihnachts- oder Fastenzeit.

Trotz der beiden Weltkriege, bei denen auch der Turnverein herbe Verluste seiner Mitglieder (Akteure) zu beklagen hatte, wurde das Laientheater nicht vernachlässigt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden Stücke von der katholischen Jugend aufgeführt. Inszeniert wurden die Aufführungen durch den Pallottiner-Pater Eduard Allebrod, ein ehemaliger KZ-Häftling (Dachau), der die katholische Kirchengemeinde Simmern von 1946 bis 1949 betreute.

So wurden 1947 die beiden Stücke "Das Geheimnis der Prinzessin Menschheit" und "Das große Welttheater" des spanischen Dramatikers und späteren katholischen Priesters Pedro Calderón aufgeführt.

In den fünfziger Jahren führte der Volksschullehrer Severin Eufinger bis zu seiner Pensionierung 1961 die Regie für Stücke wie:

"Schicksalswege einer Bettlerin" (Mehrere Aufführungen des Kirchenchors im Januar 1951)

"Die Erben von Schloß Ülzenpritz"

"Dann will ich dir ein Zeichen geben" (Aufgeführt 1955, handelte von einem Spätheimkehrer aus

  der Kriegsgefangenschaft,  der einem  im zugefrorenen Teich eingebrochenen Jungen das  Leben 

  rettet, nicht wissend, dass es sich dabei um sein eigenes Kind handelt)  -

Die Inszenierung des Stückes passte, weil zu dieser Zeit der letzte Simmerner Kriegsgefange in die Heimat zurückehrte.

Viele Jahre wurde im Anschluss an das ernste Theaterstück noch ein lustiger Einakter aufgeführt, um die zu Tränen gerührten Zuschauer wieder etwas aufzubauen und nicht in trüber Stimmung zu entlassen.

Theaterspiel  Weihnachten 1960 mit Albert Winkler, Gretel Günster, Otto Becher und Hans Dommermuth
Theaterspiel Weihnachten 1960 mit Albert Winkler, Gretel Günster, Otto Becher und Hans Dommermuth

 

Obwohl der Turnverein 1959 seine Aktivitäten beendete spielte die Laienspielgruppe von 1960 bis 1966 weiter, denn in Simmern war es schon zur Gewohnheit geworden, jährlich am 2. Weihnachtstag ins Theater zu gehen. Zur Generalprobe waren Kinder und Jugendliche eingeladen, welche den Saal bis auf den letzten Platz füllten.

 

 

Unter der Regie von Erich Lay wurden unter anderem die folgenden Stücke zur Aufführung gebracht:

"Die Geier Wally" (Volksstück von Wilhelmine von Hillern)

"Der Meisterboxer" (Schwank von Otto Schwartz und Carl Mathern)

Theaterspiel 1963 mit der Aufführung "Christenverfolgung in Mexiko"
Theaterspiel 1963 mit der Aufführung "Christenverfolgung in Mexiko"

"Christenverfolgung in Mexiko oder das Gesetz des Antichrist" (1963, Drama)

Letzteres Stück wurde unter anderem mit der damals erst siebenjährigen Rosmarie Lay aufgeführt.


                              Die Vereinsgründung 1966


Am 05. April 1966 trafen sich die Theaterfreunde

                                                                                      Erich Lay,

                                                                                      Agnes Schughart,

                                                                                      Franz Schughart,

                                                                                      Albert Winkler,

                                                                                      Otto Becher,

                                                                                      Anita Baumann,

                                                                                      Ingrid Kunst und

                                                                                      Wolfgang Günster,

in der Gaststätte "Zur Bauernschänke" Walter Wirges und gründeten offiziell die Laienspiel - Theater-Gruppe Simmern/Westerwald.

 

Im Gründungsjahr wurde der Schwank "Der Meisterboxer" unter der Regie von Erich Lay zur Aufführung gebracht.

Durch einen glücklichen Umstand erklärte sich ein ausgebildeter Schauspieler aus Kadenbach bereit, zukünftig die Spielleitung zu übernehmen sowie auch aktiv mitzuspielen. Es handelte sich um Dietrich Born, unter dessen Regie eine Reihe Theaterstücke unterschiedlichster Provenienz und Darstellungsweise gespielt wurden, unter anderem:

Theater 1968  "Der Dorflump" mit Agnes und Franz Schughart
Theater 1968 "Der Dorflump" mit Agnes und Franz Schughart

 

"Der Dorflump"

  (1968, Bauernstück von Herman Haas)

"Das Geheimnis vom Steinkreuz" (1969)

"Auf dass wir nicht schuldig werden"  

  (Schauspiel von Peter Hardt)

"Der Meineidbauer"

  (Drama von Ludwig Anzengruber)

"Sturm im Maßkrug"

  (Schwank von Hans Strasser-Lang))

 

 

 

Theater 1976 "Hilfe ich liebe einen Gammler" mit Margit Sabel und Hans-Georg Schneider
Theater 1976 "Hilfe ich liebe einen Gammler" mit Margit Sabel und Hans-Georg Schneider

 

"Hilfe, ich liebe einen Gammler"              (1976, Volksstück von Hans Lellis)

"Boeing, Boeing"

(Lustspiel von Marc Camoletti)

"Hände hoch, Miss Kitty"

(Kriminallustspiel von Alfred Schmid)

 

Ein zeitkritisches Stück aufgrund der Diskussionen um den Abtreibungs-Paragrafen 218 wurde mit dem Stück "Der Herr in Grau" im Jahre 1972 aufgeführt: Die Handlung drehte sich um eine junge Frau , die sich leichtsinnig in die Hand eines Verführers begeben hatte. Sie erwartete ein Kind von ihm und wollte es abtreiben lassen.

 

Das Theaterspielen war damals wie auch heute mit zahlreichen Entbehrungen verbunden und erforderte viel Idealismus.

Proben und Aufführungen fanden im Saalbau Willi Schneider statt, später zur Gaststätte Hilpisch gehörend. Der Saal konnte nur mit einem sogenannten Kanonenofen beheizt werden, der Unmengen an Heizmaterial verbrauchte. Jeder brachte von zu Hause soviel Holz mit, wie er entbehren konnte. Briketts wurden beim Kohlehändler Bernhard Schneider im Dorf gekauft. Einige Jahre durfte die Gruppe in Absprache mit dem Revierförster im Wald Leseholz sammeln, das dann bis zur Heizperiode in der Scheune des Wirtes gelagert wurde.

Meist begannen die Proben Anfang Oktober, wobei sich manch einer eine deftige Erkältung einhandelte. Es war unmöglich, für jede Probe den großen Saal zu beheizen. Um so schöner waren die Stunden nach den Proben und Vorstellungen. In fröhlicher Runde wärmte man sich in der Gaststube wieder auf und pflegte die Geselligkeit - jeder empfand das schöne Gefühl der Zusammengehörigkeit.

 

Traurige Momente der damaligen Theater-Gruppe waren,

als 1969 in der Nacht nach der Aufführung des Stückes "Das Geheimnis vom Steinkreuz" der Mitbegründer der Theater-Gruppe, Franz Schughart, unerwartet verstarb und

als 1981 während der Probenzeit für ein neues Stück der Spieler Reinhold Metzler durch einen Unfall ums Leben kam.

1981 musste daher der Spielbetrieb, insbesondere Mangels männlicher Akteure eingestellt werden!


                    Reaktivierung der Theater-Gruppe 1997


Im Herbst 1996 wurde auf Initiative von Otto Becher, dem letzten noch aktiven Mitglied der zu diesem Zeitpunkt "ruhenden" Theatergruppe, im Rahmen des vom Simmerner Musikverein zum Erntedankfest ausgerichteten Bauernballs der Einakter "Die Pferdekur" aufgeführt.

Motiviert durch die begeisterten Zuschauer sowie einiger Darsteller nahm Otto Becher dies zum Anlass, die Theater-Gruppe Simmern zu reaktivieren.

Am 19. April 1997 fand daher in der Gaststätte "Zur Bauernschänke", dem Gründungslokal der Gruppe, eine Jahreshauptversammlung statt. Auf Beschluss der Versammlung wurde die Vereinssatzung verabschiedet und der Eintrag ins Vereinsregister beim Amtsgericht Montabaur beantragt. Der Verein trägt seitdem den Vereinsnamen "Theater-Gruppe Simmern/Ww. e.V." und wurde mit dem von Marion Meyer entworfenen Vereinsemblem ergänzt.


Noch im gleichen Jahr wurde beim Bauernball des Musikvereins erneut ein Einakter, mit dem Bauernschwank "Toni und seine drei Frauen" aufgeführt.

 

Im Herbst des Jahres 1998 wurde das erste große Theaterstück der reaktivierten Gruppe mit "Maximilian der Starke", einem Schwank in drei Akten von Wilfried Reinehr, vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen.

 

Im "Jubiläumsjahr" zur Jahrtausendwende wurde das Stück "Theater auf der Küchenbank", ein Schwank in vier Akten von Renate Reuß, zur Aufführung gebracht. Besonders erwähnenswert deshalb, weil neben dem Gründungsmitglied Otto Becher noch ein weiteres Gründungsmitglied der Theater-Gruppe, nämlich Agnes Schughart mitspielte. Noch bemerkenswerter deshalb, weil Agnes zu diesem Zeitpunkt bereits 76 Jahre alt war und in diesem "Mammutstück" (es dauerte mehr als zweieinhalb Stunden) die Hauptrolle übernommen hatte. Außerdem übernahm sie mit immerhin 80 Jahren im Lustspiel "Katzenjammer" (2004) eine größere Rolle und auch noch im 2006 aufgeführten Lustspiel "Kuddelmuddel" war sie in einer kleineren Rolle mit von der Partie. Des Weiteren stand sie noch bis vor wenigen Jahren sehr oft als Ansagerin mit ihrer selbst gedichteten, immer wieder lustigen Einleitung auf der Bühne.

 

Seit der Reaktivierung des Vereins wurden bis heute (Stand 2017) insgesamt -18- abendfüllende Volksstücke und Schwänke zur Aufführung gebracht.

 

Des Weiteren wurde auch einiges für den Nachwuchs getan. Mit den Aufführungen von

"Gespenster ab ins Gurkenglas" (2000, Komödie von Karin Hüttenhofer),

"Tote schmieren keine Brote" (2001, Krimi von Dirk Salzbrunn),

"Verrückt diese Irdlinge" (2002, Komödie von Franzi Klingelhöfer) und

"Chaos GmbH und Co. - wir stellen um auf Computer" (2004, Komödie von Frank M. Ziegler),

jeweils inszeniert von Erika Wittelsberger und unterstützt von Marion Meyer und Alwine Hirschmann wurde jungen Menschen der Spaß am Theaterspielen vermittelt.  Mit ihren Aufführungen hatten die jugendlichen Schauspieler nicht nur bei jungen Zuschauern großen Erfolg.

Den "Lohn" der Nachwuchsarbeit erntete die Theater-Gruppe bereits ab dem Jahr 2002, als Patricia Weber, eine der jugendlichen Nachwuchsspieler in den darauffolgenden fünf Jahren mit viel Engagement und großer Leidenschaft im Erwachsenentheater mitspielte sowie auch bei zwei Theaterstücken die nicht ganz einfache Aufgabe der Souffleuse übernahm.


Aus der Nachwuchsgruppe sind mit Patricia Weber, Annika Hahn, Lorén Wittelsberger und Dominik Friedhofen vier talentierte junge Spieler zur Erwachsenengruppe gestoßen, von denen die drei letzteren bis heute (Stand 2017) aktiv und mit viel Spaß am Theaterspiel dabei sind.

 

Ein besonderes "Schmankerl" präsentierte die Theater-Gruppe im Jahr 2006, als sie zusätzlich zum Herbststück ein weiteres Stück, nach alter Tradition zu Weihnachten und Silvester, anbot. Eine besondere Herausforderung, besonders an die Theaterspieler, die in beiden Stücken mitspielten und daher nach dem letzten Vorhang des Herbststückes in nur knapp 4 Wochen ein komplett neues Stück einstudieren mussten. Ein besonderes "Schmankerl" auch deshalb, weil es gelang, zum bisher einzigsten mal die Inszenierung ausnahmslos mit Spielern zu besetzen, welche die heimische Mundart beherrschen.

Dazu war es zunächst einmal notwendig, das nur in  bayerischer Mundart  existierende Stück  des

Theater Weihnachten 2006 "Der bayerische Protectulus",  u. a. mit Alwine Hirschmann, Hans-Jürgen Sommer und Rudi Hahn als Schutzengel
Theater Weihnachten 2006 "Der bayerische Protectulus", u. a. mit Alwine Hirschmann, Hans-Jürgen Sommer und Rudi Hahn als Schutzengel

"Bayerischen Protectulus"  nach Rücksprache und Kauf der Rechte beim Münchner Köhler-Verlag ins Hochdeutsche zu "übersetzen". Mit der "Übersetzung" war Hans-Jürgen Sommer ein knappes halbes Jahr beschäftigt! Der hochdeutsche Text wurde dann von den einzelnen Mitspielern wieder in die "Westerwäller" Mundart umgesetzt. Ein Highlight der Silvesteraufführung des Stückes war das anschließend im Eintrittspreis enthaltene große Silvesterbuffet sowie die ab 22.00 Uhr bis in die frühen Morgenstunden von den Schauspielern dargebotenen Sketche...

 

Von 1998 bis einschließlich 2001 wurden die jährlich Ende Oktober/Anfang November präsentierten Stücke ohne Regie eingeübt.

Im Jahr 2000 stand der Theater-Gruppe für einen Tag der aus dem Nachbardorf Koblenz-Immendorf stammende Schauspieler Hermann Giefer für die Regie zum Stück "Theater auf der Küchenbank" zur Verfügung. Hermann Giefer ist bekannt aus vielen Rollen des Münchner Komödienstadl sowie auch Fernsehserien wie "Der Bergdoktor", "Forsthaus Falkenau",  "Dahoam is dahoam" und weitere.

In den Jahren 2002 bis 2007 führte die Schauspielerin Gabriele Nickolmann Regie.

Von 2008 bis 2012 konnte die Theater-Gruppe den aus Simmern gebürtigen freien Regisseur Rochus Schneider (Volxtheater Dörnberg) als Coach für die Inszenierung der Theaterstücke gewinnen.

2014 wurde die Regiearbeit durch die Schauspielerin Michaela Vary übernommen.

- 50 Jahre Theater-Gruppe Simmern/Ww. e.V. -

im April 2016 mit dem Theaterstück:

"Blaues Blut und Erbsensuppe"